Über Prisma und wie ich es nutze berichtete ich bereits. Dass damit Essensbilder nicht unbedingt „verbessert“ werden sondern beim Betrachter einen eigenen Blick entstehen lassen können bemerkte ich ebenfalls. Der Filter „Der Schrei“ nach vier Werken von Edvard Munch gibt dem „Punkin Beef Burger“ mit gebratenem Kürbisfleisch einen interessanten Spin. Ob Edvard Munch einen Burger so gemalt hätte?
Kategorie: essen & trinken
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Labskaus zum Dritten
Zwei Beiträge habe ich bereits über Labskaus geschrieben und zwar hier und hier. Ein dritter ist dann auch o.k.. Die Holde hat mir als Mitbringsel eine Dose Labskaus von der Nordseeküste mit gebracht. Dieser ist super, schön mild, und dazu gibt es Gurke, Rote Beete, Rollmops und Spiegelei. Ganz klassisch halt. Sehr zufriedenstellend!

Labskaus
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Saure Lunge mit Semmelknödel
Die Einbildungskraft kannte keine Grenzen. Was wollte ich alles während der Zeit als Strohwitwer in der Küche ausprobieren? Fleisch, Fisch, Meeresgetier aller Art und so weiter und so weiter. 2013 und 2014 hatte das gut geklappt in 2016 ist irgendwie die Luft raus. Ein einziges Mal habe ich den Herd angeworfen und zwar für das einfachste Strohwitwerdinner ever. Denn nichts selbstgemacht sondern alles fertig gekauft. Saure Lunge nach bayerischem Rezept in der Dose und Semmelknödel einzeln verpackt in kleinen lustigen Plastikbeutelchen. Also alles schön erhitzen und fertig ist der Spaß:

Saure Lunge mit Semmelknödel Und ich muß zugeben, die Lunge war gut, schön gewürzt mit Lorbeer und erfrischender Säure; die Knödel waren gut. Kann man also ruhig mal machen …
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Handgemachtes in Prenzelberg
Mit Freunden und ihrem Kleinkind einen Spaziergang über das „Handgemacht – junges Brauen trifft Straßenküche“ auf dem Gelände der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg ist an diesem Sonntagnachmittag eine äußerst erbauliche Beschäftigung. Das Kleine ist an diesem herrlichen Frühlingstag äußerst munter und hat seine ganz eigene Freude an diesem Ausflug.
Von der Liste der Brauereien möchte ich unbedingt den Stand von Fräulein Brauer besuchen, hatte die Holde bereits von der Brauerei im „täglichen Presseerzeugnis des Vertrauens“ unter der Rubrik „Startup“ gelesen. Fräulein Brauer hat einen Doppelbock, ein Bockbier, ein Pils und ein Export am Hahn. Ich entscheide mich für das Export, da es das Bier mit dem niedrigsten Alkoholgehalt ist. Niedrig ist der Gehalt mit 6,2% nicht wirklich aber so what… Und ich bin nicht enttäuscht, dieses Export hat Geschmack. Vom Hopfen her citraesque, kann ich kaum glauben was ich da trinke. Soll es wirklich ein Export sein oder ist es ein Fehlversuch? Völlig egal, das Export ist ein Hammer! Fräulein Brauer steht auf meiner Verkosten-Wollen-Liste ab jetzt ganz oben.
Von Vagabund probiere ich die Berliner Weisse mit sportiven 4,7%. Ein sehr schönes Sauerbier, nicht zu sauer sondern ausgewogen und herrlich trinkbar an diesem warmen Nachmittag mit fast 29 Grad. Vagabund zeigt damit wieder eindruckvoll was die Brauerei kann.
Gegessen habe ich ganz berlinerisch, nämlich ein schönes Eisbeinsandwich von Pannek seine Budike. Äußerst feines Sandwich, Geschmack und Qualität machen Lust auf mehr.

Eisbeinsandwich Und ist der Name nicht knorke?
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Ein Ciabatta natur bitte!
Begebe ich mich am Sonnabend in der Frühe für den Wochenendeinkauf in die „Lebensmittelabteilung des Vertrauens in der Stadt“, so benutze ich diejenige Rolltreppe im Gebäude, die im gewünschten Geschoß vor den Backwaren endet und erstehe ein Ciabatta natur.
Das Ciabatta unterscheidet sich von anderen Brotsorten. Das Baguette mit geringer Porung ist ein wunderbarer Träger für Leberpasteten und kleine feine Leckereien – das klassische „Schnittchen“. Das Mischbrot, auch vielfach Graubrot genannt, hat ebenfalls eine geringe Porung, in seiner einfachsten Darreichungsform ist es ein Butterbrot, auch Bemme oder Stulle genannt. Das Graubrot hat in seinem Namen mit „Grau“ eine Eigenschaftsbezeichnung, die auf etwas Trübes, Tristes hinweist. Das „Grau“ steckt auch in den „Grauen Herren“, die die Menschen in Michael Endes Roman „Momo“ um die Zeit betrügen. Auf die Fläche des Graubrotes läßt sich einfach die Butter streichen, darauf Wurstscheiben legen, mit etwas Senf bestreichen, ein Gürkchen und ein Sträußchen Petersilie obendrauf drapieren. Diese Installation läßt sich noch bequem zusammenklappen und im Gehen essen, es wird Zeit gespart. Effizienz!!
Das Ciabatta ist nun das ganze Gegenteil mit seinen eigenwilligen Innereien. Die Porung ist asymmetrisch und höchst gröblich, selbst in der Tiefe eines Laibs können sich bis an die Kruste reichende Höhlungen befinden. Ein zuverlässiges Bestreichen und Belegen ist so unmöglich.

Ciabatta natur Das Ciabatta ist unvorhersehbar und zwingt den Esser zum „dazu-Essen“. Möglicher Belag wird auf dem Teller plaziert, mit Besteck gegessen und wenn von der Brotscheibe abgebissen werden soll, wird das Besteck beiseite gelegt. Das Ciabatta verformt die Zeit des Essens, es gibt die Zeit zurück.
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Schwäbische Tapas
Seit dem Bestehen dieses Blogs bin ich nicht mehr in Stuttgart und Umgebung gewesen. Heute ist es soweit, leider kann ich aus Zeitgründen nicht die üblichen Lokationen aufsuchen um Kutteln mit Bratkartoffeln, saure Leber oder Zwiebelrostbraten und ordentlich Trollinger zu genießen. In Vorfreude auf morgen genehmige ich mir im Hotel eine Vorspeise mit „Schwäbischen Tapas“, die aus Käsespätzle, Maultschen mit Kartoffelsalat u.v.m. zusammengesetzt sind.

Schwäbische Tapas
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Die Sache mit der Hühnerhaut
Das Presseerzeugnis des Vertrauens berichtet enthusiastisch über René Redzepis, Küchenchef des Noma, neueste Aktivitäten in Australien. Der Meisterkoch hat einen spektakulären Menueteller kreiert. Erdbeermuscheln und Pipis werden sekundenkurz blanchiert. Buschtomaten, Pfefferkörner, Lorbeerblätter und Knoblauchzehen werden zu einem Öl verarbeitet um Muscheln und Pipis damit zu parfümieren. Die hauchdünne Haut einer Hühnerbrühe wird karamelisiert, mit Krokodilfett bestrichen und auf die Muscheln gelegt und so das Ganze auf einem Kieselsteinpodest serviert.
Ich bin zutiefst beeindruckt.
Dan Ariely bemerkte, daß der Geschmack von Lebensmitteln nicht aus Nährwerttabellen erschließbar ist. Und ich vermute, Machine Learning Technologie scheitert ebenfalls. Nein, diese Kreationen entstehen durch beherzstes Ergreifen von Optionen, durch Versuch und Irrtum, durch Bricolage.
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Suppentage
In dieser Woche ist das kulinarische Highlight nicht Gesottenes oder Gebratenes, auch keine Sterneküche sondern zwei Suppen.
In einem Brauhaus in Mitte nehme ich die Gulaschsuppe „ungarische Art“ als Kleinigkeit zum Bier. Sie wird in einem Töpfchen mit einem Roggenbrötchen serviert. Die Rindfleischstücken sind auf den Punkt und keine kleinen Kökel sondern ordentliche Stücke. Ungarisch mag an der Suppe das eine oder andere Stück Paprika sein, ich finde sie so gewürzt, daß der Geschmack des Fleisches betont wird und nicht von Schärfe überlagert und bedeckt wird. Sehr überraschend, meine Erwartungen werden übertroffen.

Gulaschsuppe In der Lebensmittelabteilung des Vertrauens bestelle ich nach den anstrengenden Ostereinkäufen eine gratinierte Schneckensuppe mit Knoblauch. Heiß ist sie, sehr heiß und aromatisch, den herrlichen Knoblauchgeschmack werde ich bis in den Schlaf nicht mehr los. Anders als durch den Eigengeschmack des Rindfleischs bei der Gulaschsuppe ist an der Schneckenuppe kräftige Würze notwendig und sie gibt das auch her. Ich bin begeistert.

Gratinierte Schneckensuppe mit Knoblauch



