Links neben dem Messerblock und vor dem Behältnis mit verschiedenen Küchenutensislien, wie Schöpfkellen, Heber, Wender und Kochlöffeln, steht eine Flasche Ingwer Sirup. Die schlanke Flasche ist 30,5 Zentimeter hoch, enthält 375 Milliliter Ingwer Sirup und hat einen kombinierten Plastik-Kork-Verschluß, der mit einer Folie versiegelt ist. Spuren im Inneren des Flaschenhalses zeigen, daß einiges an Flüssigkeit trotz der Versiegelung verdunstet ist. Am Boden der Flasche befindet sich ein Aufkleber mit dem Verbrauchsdatum: Spätestens zu verbrauchen bis 20.4.2012. Die Flasche Ingwer Sirup stammt aus den Nullerjahren. Sie erregt keine Aufmerksamkeit und hat sich vom Lebensmittel zur Dekoration gewandelt.
Schlagwort: Berlin
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Über den Haufen
Die Ledercouch, ein Zweisitzer, ist auf linken Seite belegt. Auf dieser Sitzfläche ist eine Ansammlung an Papier in verschiedenen Formen: Bücher, Zeitungsseiten, Zeitschriften, Notizen und Papierschnipsel. Ganz obenauf liegen eine Brille, ein Kopfhörer sowie ein USB-Stick. Die Basis des Haufens bilden Bücher, drei mal drei Bücher deren Rücken in den freien Raum zeigen, nach oben zeigen die Rückseiten. Darüber geschichtet ist eine zweite Lage Bücher, ebenso geordnet. Die dritte Schicht an der Armlehne besteht aus teilweise schon gilbigen Zeitungsausschnitten und bedeckt zwei mal drei Bücher. Auf den verbleibenden Büchern ist direkt an der Rückenlehne ein Stapel aus sieben Büchern gebaut, davor sind zwei aufgehäuft und daneben liegen drei Finanzzeitschriften. Zwischen allem verstreut sind Notizzettel und handschriftlich beschriebene Papierschnipsel gelagert.
Philosophische Bücher zur Phänomenologie liegen zusammen mit anderen, die Muße und Müßiggang zum Thema haben. Darüber geschichtet ist amerikanische Literatur, kleine Formen von Lydia Davis und Romane von Ocean Vuong. Carlo Levis „Deutschlandreise“ liegt zusammen mit Jule Govrins „Begehrenswert“. Diverse Krimis von Wolf Haas liegen neben H. D. Thoreaus „Walden“.
Wann der Haufen entstand und zu wachsen begann ist genauso unklar wie die Frage warum er überhaupt entstand. Wie lange er noch Bestand haben wird steht in den Sternen…
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Über das Sülzkotelett
Aus der Wikipedia:
„Ein Sülzkotelett ist ein entbeintes, gekochtes Schweinekotelett, das in Fleischgelee eingelegt kalt serviert wird. Zur Zubereitung wird zuerst ein Kotelettstück vom Schwein mit Suppengrün in Salzwasser gegart und vom Knochen befreit. Die entstandene Brühe wird abgeschäumt, reduziert, entfettet, eventuell mit Essig gesäuert und mit Gelatine vermischt. Dann werden flache Formen (die es eigens für dieses Gericht auch in Kotelettform gibt) mit etwas Gelee-Brühe gefüllt, mit Gewürzgurken, Eiern und Möhrenscheiben dekoriert, Scheiben des Kotelettstücks darauf gelegt, mit Brühe aufgefüllt und alles kaltgestellt, bis die Brühe erstarrt ist.
Serviert wird dieses Gericht mit Remoulade und Bratkartoffeln oder Graubrot als Beilage.
Sülzkoteletts sind auch als Fertigprodukt erhältlich.“ (Stand 20.1.2026)
Das Sülzkotelett ist ein merkwürdiges Lebensmittel. Industriell hergestellt verkörpert es den technischen Fortschritt. Die Verarbeitung, nicht nur des Fleisches sondern auch der Sehnen, Knorpel und Sonstigem läßt es im milden Licht der Nachhaltigkeit im Sinne von „noise to tail“ erscheinen. Das Stangenei verweist ebenfalls auf die industrielle Produktion, nur was sagen die Gurke und die Möhre? Die Form des Sülzkoteletts erinnert an die Zeit der Nierentische, die Zeit des zunehmenden Wohlstands – kleinbürgerlich und doch etwas kritisch? Aß und mochte Adorno das Sülzkotelett?
Heutzutage fällt allerdings der rapide Gewichtsverlust des Sülzkoteletts auf; schreitet der fort ist es in Zukunft flach wie eine Papierseite.
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Selbstreferentielles (5)
Das Blog bekam im Januar vor fünf Jahren einen neuen Anstrich. Auch im Januar dieses Jahres ist es soweit: Nach einem responsiven, „klassischem Theme“ hat es ein Block-Theme bekommen.
„Poema“ ist minimalistisch, zum Lesen sehr gut geeignet. Viele Installationen von Poema scheint es nicht zu geben; es ist ein Nischentheme. Die gewählte Schriftart ist Fira Sans.
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2025
Aus Sicht des Januars scheint 2025 zum Annus Horribilis zu werden; ab April entspannt es sich um im Mai, Juni, Juli ein freundlicheres Gesicht zu zeigen. Das Jahr verhärtet sich ab Oktober und klingt im Dezember freundlich aus.
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2024
Der Blick liegt in 2024 auf dem Essen, das Bier tritt zurück.

topnine 2024 Das neue Jahr wird sicher herrlich werden.
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Gleichzeitigkeit?
Gleichzeitigkeit bei akademisch bierologischen Namensaktivitäten in der aktuellen Woche: Der Gasthörer bespricht im Seminar das Kapitel „Einbruch des Namens in das Chaos des Unbenannten“ aus Hans Blumenbergs „Arbeit am Mythos“. Der Brauer ordnet seine Angebotstafel mit neuen Schriften und benamt die Mehrzahl der nur mit Sorte benannten Biere.
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Die einzig Wahre
Der eine Lebensmittelhändler des Vertrauens hat ausschließlich die Dresdner Variante im Sortiment, die Variante, die zum Würzfleisch passt. Der andere hat mehrere Varianten im Sortiment aber auch das Orginal, die einzig Wahre, die von Lea & Perrins. Sie ist die teuerste und sie wird seltener gekauft; der Staub auf ihren Schultern, dort wo der Flaschenhals ins Bauchige übergeht, zeugt davon. Sie trägt ihn mit Stolz, Patina. Und sie trägt den Namen der Grafschaft nicht des Ortes wie die anderen.

