Im Alten Museum, in der Ausstellung „Griechische Kunst“ sind im Bereich „Zeit der Helden -Das frühe Griechenland“ einige Kriegshelme, auch korinthische Helme genannt, ausgestellt. Ihre Größe überrascht, sie fallen eher klein aus und es stellt sich die seltsame Frage ob die Köpfe der Träger damals kleiner waren als heute. Oder ist das nur eine Sache der Perspektive? Sie wirken auch durch die Dicke bzw. Zartheit des Materials eher filigran – eierschalenartig. Wie können wir uns heute die Träger von damals vorstellen? Sie verbergen ihre Geheimnisse vor uns und teilen uns doch so viel mit und regen das Spekulative in uns an. Sie sind einfach schön.
Schlagwort: Dinge
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Über das Loslassen von Dingen
Dinge können mit Subjektivität und Objektivität aufgeladen sein. Subjektivität meint die Erinnerungen, Emotionen und Geschichten des Menschen, die sich im Ding sedimentieren. Objektivität meint die „Versunkenen Kosten“ des Dings, rechenbar als Quantitäten als Geld, die sich im Ding ebenfalls manifestieren. So geht das Ding über sich hinaus und steht dem Menschen als gegenüber als etwas Besonderes. Wie kann er davon lassen ohne Schmerz?
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Über den Widerstand beim Schreiben
Schreiben ist nichts Flüssiges. Immer wieder werden Worte, Formulierungen, Sätze überprüft. Das Schreiben wird mit Pausen durchsetzt. Irgendein Widerstand hemmt und unterbricht das Schreiben. Es scheint eine Instanz zu geben, die das Schreiben prüft. Sie scheint nicht in der Innerlichkeit verortet, sondern dem Schreibenden außerhalb. Nur durch Anstrengung kann gegengehalten werden. Schreiben kostet Kraft.
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Über das Älterwerden und die Surf-Ente
Das Älterwerden bevorzugt Praktiken, die wir Rituale nennen wollen. Ein Ritual ist hier eine regelmäßig im Zeitablauf wiederkehrende soziale Handlung. Die Handlung strukturiert die Eindimensionalität der Zeit und bietet Orientierung. Wir wollen sie so einfach sehen und nicht mit Pseudoreligiosität, Mythen oder Zeremonien verschiedenster Art aufladen. Ob der abendliche Stammtisch mit Freunden beim Bier oder das wochenendliche Frühstück beim Mettbrötchenhändler des Vertrauens oder gar der einmal im Jahr wiederkehrende Neujahrsempfang, alles dies unterstützt die positiven Seiten des Älterwerdens.
Ein zweiter Effekt des Älterwerdens ins das selektiv auftretende Vergessen. Der Geist konzentriert sich auf das Wichtige und gibt so Kapazitäten frei für Neues. Aktuell Irrelevantes muß zurücktreten wird aber nicht vollständig gelöscht sondern bei Bedarf mit Unterstützung erinnert.
Ein weiterer Effekt des Älterwerdens ist der gelassene Umgang mit dem Phänomen Zufall. Dies scheint auf den ersten Blick kindisch und nicht-philososphisch, ist aber weise. Die Konzentration auf das Relevante ist darin existent, das Verzetteln und Herumirren zwischen Irrelevantem bleibt aus.
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Figuration des Badetuchs
Die Kulturtechnik der Körperpflege ist uralt und wurde bereits von den Ägyptern vor tausenden von Jahren betrieben. In der heutigen Welt und hier insbesondere in Hotels, scheint diese Kulturtechnik auf wundersame Weise aufgespalten zu sein. Als Indiz dafür betrachten wir das Badetuch. Befinden wir uns in unserem ganz persönlichen Bereich – in unserem Zuhause – so verwenden wir nach jeder Gelegenheit des Duschens oder Badens ein Badetuch. Das Badetuch ist groß und sehr weich. Es umschmeichelt unseren Körper, es streichelt uns, es spendet uns Wärme, es liebt uns und unseren Körper ohne Einschränkung. Begeben wir uns auf Reisen und wollen uns nach dem Duschen oder Baden auf dem Hotelzimmer in das Badetuch hüllen so treffen wir auf etwas höchst Unerfreuliches. Das Badetuch hat die Größe eines Taschentuchs, es ist kaum als Lendenschurz zu gebrauchen, es kratzt und duftet oft genug streng nach Desinfektionsmittel. Wir halten uns mit ihm so kurz wie möglich auf, nutzen das bißchen Trockeneigenschaft die es hat und flüchten so schnell wie möglich in unsere Wäsche. Ganz anders tritt uns das Badetuch im sogenannten Spa oder Schwimmbad eben des gleichen Hotels entgegen. Meist in beruhigender hellblauer Farbe, in imposanter Größe und mit einer Weich- und Zartheit, wie wir sie nur von unserem heimischen Badetuch kennen, wird es uns umhüllen. Wie kann das sein? Aufgrund welcher Gründe erscheinen uns unterschiedliche Badetücher und teilen uns in welche Figuration auf?
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Über die Umwidmung der Eierharfe
Willy Abel war ein kluger Kontrukteur. Er entwickelte neben einem Briefmarkenautomat eine Vielzahl von Haushaltsgeräten, die dann in Massenfertigung hergestellt wurden und heute noch werden. Eines seiner Patente war auf den Eierschneider oder, wie es berlinerisch heißt – die Eierharfe.
Die Holde widmet die Eierharfe um und macht eine Bratkartoffelharfe daraus. Das Ergebnis sind feine und gleichmäßige Scheiben. Knorke – nicht wahr?
Eierharfe
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Dieses Kiel
Faszinierend an Kiel ist die besondere Taxi-Kultur. Taxen in schwarz, wie aus den sechziger Jahren. Gediegen, großartig!
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Der seltsame Schalter
Die Kulturtechnik der Konservierung durch Temperaturentzug ist weit verbreitet und auch in unserem Haushalt üblich. Die Technik jedoch, namentlich der Eisschrank (als Swarm/Foursquare Location auch Bierschrank genannt) erwartet in regelmäßigen zeitlichen Abständen Pflege: Der Eisschrank will abgetaut werden. Das überlegende Gemüt denkt sich – nichts einfacher als das – Eisschrank abstellen, ausräumen, abtauen, wischen, trocknen lassen, einräumen, anstellen. Um auf Nummer sicher zu gehen wird die Bedienungsanleitung bemüht. Die lacht sich eins ins Fäustchen und beschreibt den Vorgang des Abstellens mit Temperaturwähler auf Null stellen und Stecker ziehen. Das bringt den Leser in Verlegenheit, ist doch der Eisschrank ein Unterbauschrank und die Steckdose auf der Rückseite und ohne große Räumungen unerreichbar. Und was ist eigentlich mit dem Schalter an der rechten Innenwand? Ist dort ein Aus- und Einschalten des Geräts möglich? Der Schalter selbst und seine Funktion sucht der Leser in der Bedienungsanleitung vergeben. Leichtes Unbehagen stellt sich ein. Nach mehrmaligem Durchsuchen der Ablage mit den Bedienungsanleitungen der verschiedenen Haushaltsgeräten zeigt sich unschlüssig ein gefaltetes Dreifachblatt ohne Titel auf der Vorderseite. Natürlich im letzten Eck der Ablage. Und zaghaft enthüllt das Blatt tatsächlich die Funktion des seltsamen Schalters. Mit dem Schalter wird ein Eisschrankturbo angelassen, sollte die Umgebungstemperatur des Geräts unter vierzehn Grad sinken. Darauf muß man erstmal kommen….