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Das Schreiben mit der Hand

Ich erinnere mich noch gut an die Schreibhefte der ersten Klasse – vier Linien, innerhalb derer die Buchstaben geschrieben wurden. Ein Blick in die Suchmaschine des Vertrauens zeigt mir, daß das heute immer noch so ist. Ein Preis für Schönschreiben gewann ich nie. Meine Handschrift war immer krakelig, daran hat sich auch als Erwachsener nichts geändert. Ein Graphologe hätte seine Freude daran, die Interpretation kann ich mir lebhaft vorstellen. Seit Jahren schreibe ich sehr wenig mit der Hand, Einkaufszettel, gelegentlich ein paar Notizen. Die Hauptschreibweise ist per Tastatur. Vor Weihnachten schrieb ich eine Reihe Weihnachtskarten, ich mußte mich wirklich anstregen keine Fehler zu machen und halbwegs leserlich zu schreiben. Kann eigentlich die Handschrift ohne regelmäßiges Schreiben schlechter werden oder war das nur eine Momentaufnahme?

Die Ordnung im Bücherregal

Die Ordung der Romane im Taschenbuchformat ist nach einem simplen Muster gestrickt – nach dem Alphabet. Bei Sachbüchern gestaltet sich das Muster etwas komplexer. Das erste Muster sind Kategorien wie Ökonomie, Politik, Soziologie und Philosophie. Innerhalb dieser Kategorien sind die Bücher nach Autoren geordnet. Die Ordnung der Sachbücher verkompliziert sich noch einmal, seitdem ich die Bücher in zwei Reihen hintereinander ins Regal stelle. Es ist zur Zeit kein Platz für weitere Regale in der Wohnung bestimmt. Die Ordnung in zwei Reihen hintereinander erfordert eine Klarstellung meiner Präferenzen. Soll ich die selten in die Hand genommene Werke nach hinten oder diejenigen, auf die ich mit Wohlgefallen schaue oder öfter in die Hand nehme nach vorne stellen? So wirklich zufriedenstellend ist dieses Ordnungmuster nicht. Mit der Zeit vergesse ich nämlich die Sortierung der Autoren in der zweiten Reihe. Michel de Montaignes „Essais“ nehme ich selten in die Hand, es steht in der zweiten Reihe und ich suche heute viel zu lange nach ihm. Das Ordnungsmuster ist verbesserbar …

Freitag ist Würsteltag (5)

Bratwürste verkoste ich beim Metzger direkt. Der Metzger kennt sein Produkt, weiß um Bestandteile und Konsistenz und kann so mit Intensität und Dauer des Bratvorgangs das geschmacklich Beste herausholen. Die Black Angus Bratwurst ist ein Angebot der Metzgerei aus der Lebensmittelabteilung des Vertrauens in der Stadt – und sie hat leider keine Grillstelle. Also muß ich selber ran. Der Darm der Bratwurst fühlt sich fest an, sie ist eher locker gestopft. Ich versuche es mit mittlerer Hitze, da ich die Befürchtung habe, daß zu große Hitze die Wurst platzen lassen wird. Dazu röste ich gegen Ende des Bratvorgangs einige Scheiben Ciabatta natur neben der Wurst in der Pfanne an.
Die Wurst hat den charakteristischen Black-Angus-Beef-Geschmack, sie ist gut aber nicht aufdringlich gewürzt und der frische Ingwer tritt klar aber zum Brät hamonierend, hervor. Eine sehr gute Wurst. Dazu nehme ich ein gut gekühltes American Pale Ale, das mit seinen klar definierten Hopfen das Geschmackserlebnis erweitert.

Black Angus Bratwurst

Black Angus Bratwurst

Senf ist zu dieser Bratwurst völli überflüssig.

Piratenente

Die Kurzreise nach Hamburg bringt aus dem Hotel des Vertrauens eine neue Mitbewohnerin nach Kreuzberg – eine Piratenente. Sie fühlt sich sofort zwischen den hier lebenden Artgenossen wohl. Da sind eine Kapitänsente, eine Seefahrerente, eine Taucherente, eine Conciergeente und noch einige mehr. Allerdings sind diese gegenüber der neuen Mitbewohnerin etwas zurückhaltend, sind sie doch von den hochgezogenen Augenbrauen und der Axt irritiert. Da die Piratenente mich entzückt, folgt ein Photo auf dem Fuße samt algorithmischer Bildverbesserung mit Perfectly Clear, etwas algorithmischem Blurring mit Tadaa SLR und etwas Lux und Helligkeit mit Instagram. Auch Artwork ist selbstverständlich willkommen und Prisma bietet dafür mit dem algorithmischen Filter, benannt nach dem großen indischen Künstler Thota Vaikuntam, den richtigen satten Gelbausdruck.

Piratenente

Piratenente

Über Hoffnung

Am 24.07.2008 war ich zur legendären Rede Barack Obamas an der Siegessäule in Tiergarten dabei. In der Rückschau ist das Erinnerte umgeschrieben, angereichert, abgepeckt, verändert eben. Meine Erwartung war riesig, wurde auch nicht enttäuscht. Ein wohliges Gefühl zwischen 200000 Leuten zu stehen und eine große Rede zu hören, nein keine Rede sondern eine Predigt. Kritisches Zuhören war in diesem Moment nicht möglich, einen Tag später erst setzte soetwas wie Reflektion ein. Ich empfand das damals als ambivalent. Noch heute wundere ich mich, wie sehr mich die Immersion gepackt hatte. Aber bei aller Kritik an seiner Politik wird eines immer bleiben – die Hoffnung.

Und wieder die Kaffeemaschine

Zu Kaffeemaschinen und Filtertüten scheine ich ein spezielles Verhältnis zu haben:

Ich stehe auf, hole die Sonntagszeitungen herein und schalte die Kaffeemaschine an. Ich setze mich an den Tisch und sortiere die Sonntagszeitung des Vertrauens wie üblich – oben den Reiseteil, dann Politik, Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Wohnen, Leben und ganz nach unten das Feuilleton. Die Kaffeemaschine macht heute sehr seltsame Geräusche, scheint sehr kurzatmig zu sein, läßt ein ungewöhnliches Gurgeln vernehmen. Nach Verarbeiten der Hälfte des Wassertanks schaltet sie sich aus. Die Kaffeemaschine macht schlapp – am Sonntag! Nach einer Weile starte ich sie erneut, das Ergebnis ist wie zuvor. Die Holde kommt hinzu und ich teile ihr zerknirscht den Ausfall des Geräts mit. Sie schaut sich kurz um und macht deutlich, daß die Kaffeemaschine nach der Reinigung am Vortag nicht wieder vollständig zusammengebaut ist, das obere Teil des Einwegventils fehle!

Beim Aufsetzen der Kaffeemaschine übersah ich das Fehlen des oberen Ventilteils völlig. Meine Aufmerksamkeit war auf ganz und gar auf andere Dinge, nämlich die Überschriften auf den Titelseiten der Sonntagszeitungen, gerichtet. Kein Wunder…

2016

Instagram sieht mein 2016 etwas selektiv … Aber knorke war es.

2016

2016

Die Sache mit der widerspenstigen Heizung

Seit langem ist der technische Fortschritt in das Beherbergungsgewerbe eingezogen. Kein Hotel, das der geneigte Gast in den letzten Jahren besuchte hat an den Heizkörpern ein vom Gast bedienbares Heizungsventil, viele Hotels haben gar keine Heizkörper mehr sondern steuern die Zimmertemperatur mit der Klimananlge, die gleichtzeitig Heizung ist. Der Gast ist in der Lage an einer Konsole im Zimmer die gewünschte Zimmertemperatur festzulegen.

Das Zimmer im Hotel des Vertrauens, in dem der Gast die Weihachtsfeiertage verbringt, besitzt eine solche. Für den Gast soll die Bedienbarkeit so einfach wie möglich sein, er braucht nur drei Tasten an der Konsole zu bedienen: ein/aus, Temperatur hoch, Temperatur runter. Ein fabelhaftes Konzept wenn es denn funktioniert:

Die Zimmertemperatur ist bei Ankunft des Gastes auf 19 Grad gestellt. Der Gast erhöht auf 22 Grad und fährt mit seinen Tätigkeiten fort. Wie aus dem Nichts ist das System plötzlich auf 20 Grad eingestellt. Er erhöht erneut und macht anschließend einen Spaziergang ins Städtchen. Bei seiner Rückkehr sind nur noch 19 Grad eingestellt. Eine ähnliche Situation beim morgentlichen Aufstehen. Vor dem Schlafengehen auf 21 Grad eingestellt, beim Aufwachen ist das System auf 19 Grad parametrisiert. Eine automatische Nachtabsenkung scheint dem Gast plausibel aber warum ist die dann auf Dauer gestellt und die Temperatur erhöht sich morgens nicht?

Nun, nicht die Heizung ist widerspenstig oder hat ein Eigenleben sondern die Parametrisierung der zentralen Steuerung des Systems durch das Hotel ist gelinde und freundlich gesagt – eigenwillig. Der Gast wird das bei seinem nächsten Aufenthalt im Hotel ansprechen und ist gespannt auf die Antwort.

Die Sache mit der Düse

Das Hotel des Vertrauens an der Ostsee hat das Bad unseres Lieblingszimmers modernisiert. So finden wir einen neuen Duschkopf vor. Dieser Duschkopf hat an der Oberseite vier Tasten, die jeweils andere Düsen aktivieren – Rain oder Jet heißen sie beispielsweise. Das wird natürlich ausprobiert und die Taste mit dem lustigsten und auch seltsamsten Namen ist die interessanteste. Die Düsen formieren einen Jetstrahl der sich langsam pulsierend bewegt – faszinierend! Die Recherche in der Suchmaschine des Vertrauens ergibt, daß sowohl Name als auch Idee der Bewegung der Düsen von den Techniken der Ureinwohner des Fünften Kontinents abgeleitet ist – sehr spannend! Der Hersteller der Brause benennt den Zweck u.a. für die Massage des Nackens.

Wir deuten die Funktionalität weiter und verwenden den pulsierenden Wasserstrahl bidet-esque. Und das mit spürbarem Erfolg.

Alt – ein Riß in der Matrix

Wer die Dreißig um zehn oder zwanzig Jahre übertroffen hat und im Spiegel den nagenden Zahn der Zeit an sich sieht besitzt in aller Regel einen Geist, ein Bewußtsein von sich selbst, das doch eher jugendlich und radikal ist (also so zwischen 17 und 25 Jahren), gepaart allerdings mit einem gehörigen Schuß Gelassenheit.

Ich warte im Parterre auf den Fahrstuhl. Ein Nachbar Anfang der Zwanzig nestelt an seinem Briefkasten und gesellt sich langsam zu mir. Die Fahrstuhltür öffnet sich und ich gebe ihm Zeichen er möge einsteigen. Er weigert sich strikt, murmelt etwas Unverständliches und bedeutet mir den Vortritt. Ich steige ein und frage nach dem Schließen der Fahrstuhltür, was er gesagt hätte. Die Antwort verblüfft mich, ein Riß geht durch die Matrix: „Ich habe gelernt, Ältere haben den Vortritt“. Unvermittelt alt – ein Hoch auf die Gelassenheit …