Links neben dem Messerblock und vor dem Behältnis mit verschiedenen Küchenutensislien, wie Schöpfkellen, Heber, Wender und Kochlöffeln, steht eine Flasche Ingwer Sirup. Die schlanke Flasche ist 30,5 Zentimeter hoch, enthält 375 Milliliter Ingwer Sirup und hat einen kombinierten Plastik-Kork-Verschluß, der mit einer Folie versiegelt ist. Spuren im Inneren des Flaschenhalses zeigen, daß einiges an Flüssigkeit trotz der Versiegelung verdunstet ist. Am Boden der Flasche befindet sich ein Aufkleber mit dem Verbrauchsdatum: Spätestens zu verbrauchen bis 20.4.2012. Die Flasche Ingwer Sirup stammt aus den Nullerjahren. Sie erregt keine Aufmerksamkeit und hat sich vom Lebensmittel zur Dekoration gewandelt.
Schlagwort: Aufmerksamkeit
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Über den ungenutzten Einkaufszettel
Prophylaktisch wird der Einkaufszettel geschrieben und zwar auf anlogem Papier, nicht in Binärschrift. Die Einkaufszettel sind kleine Zettel, in post-it-Größe, zurechtgeschnitten aus größeren, auch benutzten Papierformaten. Der Inhalt der Einkaufszettel wird genau besprochen; er bezieht sich auf die Lebensmitteleinkäufe einer Woche. Nach einem Einkauf wird der Zettel geprüft und das Erworbene durchgestrichen.
Zwiebeln fehlten nach dem Wochenendeinkauf. Der Einkaufszettel war während des Einkaufs mit dabei aber nicht gelesen. Es wurde einfach vergessen auf den Zettel zu schauen. Haarkötter hat recht: Notizen sind dazu da, die verschriftlichten Gedanken zu vergessen um Platz für neue zu machen. Die Zwiebeln waren auf dem Einkaufszettel und nicht im Kopf. Es bedarf der Übung während des Einkaufs auf den Zettel zu schauen…
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Über Twitterlisten
Obwohl ich Listen in Twitter unnötig fand – die Beschäftigung damit würde Twitter zuviel Bedeutung zuschreiben – habe ich schließlich doch einen Set Listen eingerichtet. Die Listen sind themenspezifisch und auf privat gesetzt. Einige Listen konzentrieren Accounts und die Informationen weil das Thema relevant ist. Der Zugriff wird erleichtert. Andere Listen invisibilisieren Accounts und die Informationen weil das Thema zwar nicht unbedingt irrelevant ist aber spezifisch sehr viel Rauschen erzeugt. Das erleichtert das Lesen der Timeline ungemein. Ein Feature benutze ich schon länger für die Selbstsorge, das der stummgeschalteten Worte. Es ist hochwirksam…
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Über Meetings
Meetings sind die entzündlichen Tonsillen des Arbeitslebens – irgendwie notwendig und überflüssig zugleich. Die geistige Gesundheit vor und während ihnen läßt sich bewahren indem man den Widerwillen gegen sie durch Neugier auf sie ersetzt. Neugier und Lust durchdringen einander…
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Über Schulpflicht und sogenanntes Schulschwänzen
Die aktuelle Diskussion um Schulpflicht und Schulschwänzen im Rahmen der Freitagsdemonstrationen der Schüler ist ein Treppenwitz. Diejenigen, die Schulpflicht geifernd propagieren zeigen exakt was sie von Schule halten: Disziplinaranstalt zur gesellschaftlichen (De)Formierung junger Menschen.
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Über das tägliche Bloggen
Für das tägliche Bloggen stehen zwei Inhalte, erstens das Tagebuchbloggen und zweitens das Businessbloggen. Beide Inhalte kennzeichnet zur Periodizität eine weitere gemeinsame Form: sie sind etwas Neues – kleinste Formen: Tägliches Bloggen vermittelt sich durch kurze Posts. Das Tagebuchbloggen, das Aufschreiben dessen, was am Tag war, wird oft als banal bezeichnet. Das ist kleingeistig. Das was heute war, kann in der Rückschau eine gewichtige Bedeutung bekommen. Das Businessbloggen gerät andereseits in der Rückschau zum Banalen wenn die Enge der Sicht der Schreibenden deutlich wird. Kann man sich kleinste Formen als Konzentrat vorstellen, als etwas, das über sich hinausgeht?
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Über einen Verlegenheitspost
Ein Verlegenheitspost camoufliert die Verlegenheit des Autors ob der Leere seiner Einbildungskraft. Und das ist doch auch schon was…
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Und wieder die Kaffeemaschine
Zu Kaffeemaschinen und Filtertüten scheine ich ein spezielles Verhältnis zu haben:
Ich stehe auf, hole die Sonntagszeitungen herein und schalte die Kaffeemaschine an. Ich setze mich an den Tisch und sortiere die Sonntagszeitung des Vertrauens wie üblich – oben den Reiseteil, dann Politik, Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Wohnen, Leben und ganz nach unten das Feuilleton. Die Kaffeemaschine macht heute sehr seltsame Geräusche, scheint sehr kurzatmig zu sein, läßt ein ungewöhnliches Gurgeln vernehmen. Nach Verarbeiten der Hälfte des Wassertanks schaltet sie sich aus. Die Kaffeemaschine macht schlapp – am Sonntag! Nach einer Weile starte ich sie erneut, das Ergebnis ist wie zuvor. Die Holde kommt hinzu und ich teile ihr zerknirscht den Ausfall des Geräts mit. Sie schaut sich kurz um und macht deutlich, daß die Kaffeemaschine nach der Reinigung am Vortag nicht wieder vollständig zusammengebaut ist, das obere Teil des Einwegventils fehle!
Beim Aufsetzen der Kaffeemaschine übersah ich das Fehlen des oberen Ventilteils völlig. Meine Aufmerksamkeit war auf ganz und gar auf andere Dinge, nämlich die Überschriften auf den Titelseiten der Sonntagszeitungen, gerichtet. Kein Wunder…