Aus einem Lieferwagen stellen zwei junge Männer E-Scooter auf den Bürgersteig. Schön aufgestellt in Reih und Glied, sodass sie keinen Passanten auf dem Gehweg stören. Von hier aus, zentral in Kreuzberg, sollen die interessierten KundÏnnen in alle Richtungen ausschwärmen. Und da kommt er auch schon, der Spießer. Kurze Hosen, Sandalen und Socken. Frotteehütchen und Sonnenbrille, Schnäuzer, ein Bild von einem Spießer. Einen kleinen weißen Pudel führt er an der Leine. „Könnt ihr mal euren Kunden sagen…“ poltert er los. Ja was denn? Ihn stört die Unordnung, die E-Scooter werden mitten auf dem Gehweg abgestellt, die KundÏnnen fahren auch noch auf dem Bürgersteig. Etwas Neues ist plötzlich in der Stadt, neue Technik, neues Verhalten, Chaos, das macht ihn kirre. Ihn, der als Baby lustvoll in die Windeln gekackt hat und den Selbsthaß über die Scham darüber unbewußt als Wut auf das Neue kanalisiert.
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Über die James-Simon-Galerie – Der erste Eindruck
Beim Blick vom Lustgarten auf die James-Simon-Galerie fühlt sich die Betrachterïn klein. Zwei Freitreppen müssen erklommen werden bis zum Eingang. Erinnert das nicht an den Tempel der Hatschepsut – mit seinem langgezogenen Aufstieg und der gewaltigen Säulenarchitektur? Zwar ist die Stirnseite der Galerie und der Eingangsbereich schmal, doch die umliegenden Gebäude samt den zwei Freitreppen überlisten den Blick und lassen das Ensemble mächtiger erscheinen. Im Gebäude macht sich die Ernüchterung breit, das Innere hat den Charme eines Flughafenabfertigungsgebäudes. Und ja – Abfertigung und Kanalisierung der Besucherïnnen ist die Funktion der Galerie, die Form folgt dem nicht. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, der Widerspruch hält zum Nachdenken an, die Museen werden interessanter.
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Über den symbolischen Körper
Das 21. Jahrhundert. Demokratie ist die Herrschaftsform in Europa. Die Zahl, das Rechenbare strukturiert zunehmend die Gesellschaft und droht sich selbst zum Mythos zu machen. Da verwundert es nicht wenn die Leerstelle der Macht in der Demokratie in Frage gestellt wird. In Frage gestellt durch die Behauptung der Existenz eines symbolischen Körpers der Kanzlerin. Nicht anders sind die maßlosen Fragen zu ihrem Gesundheitszustand zu deuten. Auch dies ein weiteres Indiz zu einer Etablierung eines zeitgenössischen Mythos.
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Über die (politische) Talkshow
Der Begriff besteht aus zwei Teilen: Talk und Show. Reden und Spektakel. Ein Spektakel war die politische Talkshow der Jahrtausendwende – Christiansen. Medial wurde hier die Neoliberalisierung des Landes begleitet. Das ökonomische Prinzip ist spätestens seitdem in jede Pore des gesellschaftlichen Lebens eingesickert. Der Stolz auf den ÖRR speist sich einerseits auf die Idee der Staatsferne, andererseits auf die Idee des Fehlen der Meinungsmacht Einzelner, einer gewissen Kapitalismusferne. Trotzdem wirkte die politische Talkshow toxisch. Wie konnte das geschehen? Und was bedeutet das für bestehende Formate?
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Über das Totenglöcklein des Unternehmens
Das Totenglöcklein eines Unternehmens macht sich in der Sprache des Managements bemerkbar. Es sind Satzfragmente wie „…der Markt fordert dies…“ oder „…wir müssen dem Markt folgen…“ die die Sterbephase begleiten. Auf den Markt verweisen, mit ihm schwimmen wollen und nicht eigenen Idee haben und verwirklichen zeigen erste Leichenblässe an.


