Beim Blick vom Lustgarten auf die James-Simon-Galerie fühlt sich die Betrachterïn klein. Zwei Freitreppen müssen erklommen werden bis zum Eingang. Erinnert das nicht an den Tempel der Hatschepsut – mit seinem langgezogenen Aufstieg und der gewaltigen Säulenarchitektur? Zwar ist die Stirnseite der Galerie und der Eingangsbereich schmal, doch die umliegenden Gebäude samt den zwei Freitreppen überlisten den Blick und lassen das Ensemble mächtiger erscheinen. Im Gebäude macht sich die Ernüchterung breit, das Innere hat den Charme eines Flughafenabfertigungsgebäudes. Und ja – Abfertigung und Kanalisierung der Besucherïnnen ist die Funktion der Galerie, die Form folgt dem nicht. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, der Widerspruch hält zum Nachdenken an, die Museen werden interessanter.
Schlagwort: Philosophie
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Über den symbolischen Körper
Das 21. Jahrhundert. Demokratie ist die Herrschaftsform in Europa. Die Zahl, das Rechenbare strukturiert zunehmend die Gesellschaft und droht sich selbst zum Mythos zu machen. Da verwundert es nicht wenn die Leerstelle der Macht in der Demokratie in Frage gestellt wird. In Frage gestellt durch die Behauptung der Existenz eines symbolischen Körpers der Kanzlerin. Nicht anders sind die maßlosen Fragen zu ihrem Gesundheitszustand zu deuten. Auch dies ein weiteres Indiz zu einer Etablierung eines zeitgenössischen Mythos.
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Über das Totenglöcklein des Unternehmens
Das Totenglöcklein eines Unternehmens macht sich in der Sprache des Managements bemerkbar. Es sind Satzfragmente wie „…der Markt fordert dies…“ oder „…wir müssen dem Markt folgen…“ die die Sterbephase begleiten. Auf den Markt verweisen, mit ihm schwimmen wollen und nicht eigenen Idee haben und verwirklichen zeigen erste Leichenblässe an.
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Über das Lesen von Verrücktheiten
Warum liest jemand in der heutigen Zeit altgriechische Poesie wie die Ilias und Odyssee? Warum sich mit Hexameterdichtung, Lyrik und Drama aus alter Zeit beschäftigen? Unter dem gesellschaftlich herrschenden Nützlichkeitsaspekt sind das Verrücktheiten. Nützlichkeitsgedanken sickern immer tiefer in das Leben ein. Nonkonformismus hilft dagegen, das Lesen altgriechischer Poesie ist genau das und ein Fitzelchen Freiheit wird zurückgewonnen.
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Über Fragen zur Gebrechlichkeit
Wenn die Beine versagen und der Verlust des Gangs vollzogen ist, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die anerzogenen Regeln der Notdurft nicht mehr eingehalten werden können, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die Worte nicht mehr formuliert werden können, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die Augen zusehens schwächer werden, wie fühlt sich der Mensch? Die Traurigkeit, die den Menschen erfaßt, wenn er nicht mehr laufen, nicht mehr sehen, nicht mehr anerzogen Notdurft verrichten, nicht mehr richtig sprechen und nicht mehr richtig sehen kann, was macht das mit seinem Denken? Wie kann der traurige, nichtgehende, nicht mehr wie anerzogen Notdurft verrichtende, schlecht sprechende und schlecht sehende Mensch würdevoll als Mensch leben und begleitet werden?
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Über die Frage warum der Gast im Hotel putzt
Manche Gäste reinigen ihr Hotelzimmer. Sie richten das Bett, nicht vollständig aber immerhin so, daß Laken, Bettdecke und Kissen eine erkennbare Ordnung haben. Sie stellen benutzte Gläser und Tassen zusammen und wenn sie sich ein Mahl auf das Zimmer bestellt haben ordnen sie auch das benutze Geschirr sauber an. Zudem öffnen sie das Fenster zum Lüften. Das wirft nun die Frage auf warum die Gäste dies tun. In der Zimmermiete ist die Reinigung inkludiert, ein Herrichten scheint also ökonomisch unsinnig. Vermutlich denken sie nicht einmal über ihr Handeln nach. Was also treibt sie an?
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Über eine Frage zur Geschichte
Vergangene Ereignisse sind nicht seriell wie auf die Perlenschnur gezogen betrachtbar. Geschichtliche Zeit ist ungleich der physikalischen Zeit, sie stellt Ereignisse in einen Deutungszusammenhang. Geschichtliche Zeit birgt Brüche in ihrem Ablauf. Ereignisse sind gebrochen zueinander. Wahrheit hat einen Zeitkern. Vergangene Ereignisse sind nicht unabhängig von uns. Unsere Bewertung, unser Nachdenken über die vergangenen Ereignisse verändern sie.
Was bedeutet das für das Auftauchen und Verschwinden von Welt-anschauungen? Ist der Rückfall in barbarische Zustände somit möglich?
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Über das Putzen vor dem Putzen
Viele Privathaushalte beschäftigen eine Reinigungskraft. Beschäftigen meint hier ein ökonomisches Tauschverhältnis. Viele Menschen putzen regelmäßig bevor die Reinigungskraft beginnt und ebenda dasselbe tut. Das scheint etwas merkwürdig zu sein, wird aber sofort einsichtig sobald der Grund erkannt wird. Sie wollen der Reinigungskraft zeigen wie das Ergebnis auszusehen hat. Soweit, so gut aber wenn dies aber zur Regelmäßigkeit wird sei die Frage erlaubt warum das Tauschverhältnis nicht beendet und ein anderes eingegangen wird? Ist diese Art von Tauschverhältnis wirklich ein rein ökonomisches oder tritt da noch etwas anderes, Vermitteltes, hinzu?
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Über die großzügige Kasse
Sommerschlußverkauf 2018. Kaufhäuser werben mit Zeitungsbeilagen um Kundinnen für ihre Produkte. Die Orginalpreise im Vergleich zu den reduzierten Preisen sollen das Geld im Portemonnaie der möglichen Kundinnen lockern. Ein weiterer reduzierter Preis falls die mögliche Kundin 2 Stück des Produkts nimmt. Zwar ist Geld ausgegeben eben ausgegeben und nicht mehr da aber wen kümmert es im Moment des Bezahlens. Einmal gehen lassen, nur einmal… An der Kasse dann die Überraschung. Statt des Nehmen-Sie-2-Stück Preises soll die Kundin noch einmal deutlich weniger zahlen. Verwirrung macht sich breit. Die Kassiererin weiß die Antwort: „Die Kasse war es!“. Dieser Ausspruch entlastet die Beteiligten am Bezahlprozeß, die Kassiererin und die Kundin. Die einhellige Meinung ist, die Maschine habe recht – nur warum bloß? Die Kundin wird das Ergebnis nicht hinterfragen. Warum aber nicht die Kassiererin?